KREUZBEINSCHMERZEN
Kreuzbeinentzündung
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| Das Kreuzbe in (Os Sacru m) ist in Form eines (groben) Dreiecks schaufelförmig angelegt. Es ist aus der Fusion (= Verschmelzung) von 5 Wirbeln entstanden und durch eine Zwischenwirbelscheibe mit dem letzten Lenden- und dem 1. Steißbeinwirbel verbunden. |
|
Kreuzbeinschmerzen sind überwiegend traumatisch (= verletzungsbedingt) verursacht, hauptsächlich in Form von Prellungen, ein Kreuz bein bruch ist eher selten. Nach einer Prellung sind länger anhaltende Schmerzen i.d.R. Folge einer unspezifischen Kreuzbeinentzündung bzw. Knochenhautentzündung.
Weitere (seltenere) Ursachen:
Erkrankung der
Iliosakralgelenk
e
(= durch starke Bänder gewährleistete
gelenk
ähnliche Verbindung
zwischen dem
Kr
euzbein und den
Becken
knochen).
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die
betroffenen Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit
Drehung, über Schmerzen im lumbosakralen Übergangsbereich
(= unterer
Lendenwirbelsäule
n- und oberer Kreuzbe
inbereich),
aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior
superior (= hinterer oberer
Darmbeinstachel) mit unspezifischen
Ausstrahlungen in die
Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher
Oberschenkel bis zur
Wade und evtl.
Ferse).
Neurologische Ausfälle (=
Nervenstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Ischiolumbalgie“.
Bei einer Tuberkulose ist häufiger auch das Hüftgelenk mit einbezogen, man spricht dann von einer Sakrokoxalgie.
Sakralisation - Unter einer oberen Sakralisation versteht man eine komplette oder inkomplette (= unvollständige) (asymmetrische) mit Formangleichung verknüpfte Verschmelzung des 5. Lenden wirbelkörpers mit dem Kreuz bein. Bei der unteren Sakralisation kommt es zu eine Verschmelzung mit dem 1. Steiß bein wirbel, was zusätzlich zu Steißbeinschmerzen führen kann.
Infolge Kompression (= Einengung) der sog. Ner ven clunium recurrentes in den Kreuz beinlöchern (Wurzelkompression).
Bei
retroperitonealer (= hinter dem
Bauch
fell gelegener) Metastasierung
eines
Hoden
tumors.
Eine Kreuzbeinentzündung kann theoretisch viele Ursachen haben. Physikalische Faktoren (ionisierende Strahlen, UV-Licht, Wärme, Kälte) oder chemische Stoffe (Laugen, Säuren, Schwermetalle, bakterielle Toxine, Allergene und Immunkomplexe) scheiden aber als Ursache für eine Kreuzbeinentzündung i.d.R. aus. Im Prinzip kommen praktisch nur zwei Möglichkeiten in Frage:
mechanische Reize (Fremdkörper, Druck, Verletzung), wie oben schon erwähnt
Erreger (Mikroorganismen, z.B. Bakterien)
Zu einer bakteriellen Kreuzbeinentzündung kann es nach offenen Verletzungen kommen, aber auch iatrogen (= durch ärztliche Einwirkung im Rahmen von Diagnostik oder Therapie entstanden), ganz selten hämatogen (= über das Blut, die Blutbahn eingeschleppt).
In aller Regel ist bei einer Kreuzbeinentzündung die Knochenhaut betroffen (Periostitis), nicht selten in Kombination mit dem Knochengewebe (Ostitis bzw. Osteitis).
Bei anhaltenden Kreuzbeinschmerzen hat sich
die
therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
sehr bewährt. Die sakralen
(= dem Kreuzb ein
entstammenden)
Ner venwurzeln
sind einzeln in den paarig angeordneten 8 Foramina sacralia
(= kleine Öffnungen im Kreuzb ein)
blockierbar. Wiederholt werden jeweils 1-2 ml Bupivacain (z.B.
Carbostesin®)
0,25% eingespritzt.
In aller Regel reicht es
aber nicht aus, diese Behandlung, wie leider so oft üblich, nur 1-2 mal pro
Woche durchzuführen, da selbst die lang wirkenden
Lokalanästhetika
(=
örtliche Betäubungsmittel) nur ein paar
Stunden anhalten. Wir führen eine solche Behandlung konsequent 2 bis 3 mal
täglich, auch am Wochenende durch, was aber für auswärtige Patienten eigentlich
nur stationär oder zumindest teilstationär möglich ist.
Als nächst höhere Therapiestufe können wiederholte
(optimal täglich) Kaudalb lockaden (Sak ralblockaden)
durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine sog. rückenmarknahe Betäubung, die über einen
kleinen Spalt im Kreuzbe in (Sakralkanal) durchgeführt wird.
In
hartnäckigen Fällen kann diese Betäubung auch kontinuierlich mit einem
eingepflanzten Kunststoffschlauch (Katheter) erfolgen, sofern
dieser wegen der der Gefahr einer Infektion (Nähe zum
Enddarm !) seitlich unter der Haut mittels
einer Untertunnelung weggeführt wird. Statt mit einem
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
kann die rückenmarknahe Blockade / Betäubung auch mit einer verdünnten
Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu
beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich
weniger ausgeprägt.
Schließlich, in ganz hartnäckigen und sehr schmerzhaften Fällen, wird man sich zu einer kontinuierlichen, lumbalen (= den Lendenbereich betreffenden) epiduralen Blockade mit Katheter entschließen. Diese Methode hat gegenüber der oben beschriebenen, kontinuierlichen kaudalen Blockade den Vorteil, daß der eingepflanzte Katheter länger im Körper belassen werden kann, da das Risiko einer Infektion (= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien) hier geringer ist.
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei diesen Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind (Sympathikolyse), woraus im behandelten Körperbereich eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche (Kreuzbeinentzündung !) oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen einer Nervenerkrankung, da eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
Bei einer bakteriellen Steißbeinentzündung ist es sehr vorteilhaft, das zuvor ausgetestete Antibiotikum parallel zur Behandlung mit dem örtlichen Betäubungsmittel zu verabreichen, weil dann der Wirkstoff aufgrund der besseren Durchblutung die Bakterien auch in ausreichender Konzentration erreicht.
Bei chronischen Kreuzbeinschmerzen sind Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bestehen die Kreuzbeinschmerzen längerfristig, ist im Rahmen einer psychologischen Begleitbehandlung auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
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Aktualisiert: 15.04.2006
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aktualisiert: >15.04.2006</> k u
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